Kultur

SCHWARTZERDT-PREIS     ·     KINDERTHEATER     ·     JUBILÄUMSKONZERT

Künstlerischer Nachwuchs wird mit dem Schwartzerdt-Preis geehrt

Kunstverein Bretten und Lions Club Bretten-Stromberg stiften Auszeichnung für Studierende der Kunstakademie Karlsruhe

Ausgewählte Studierende der Kunstakademie Karlsruhe sollen zukünftig mit jährlichen Ausstellungen im Kunstverein Bretten vertreten sein. Die Kunstfreunde der Melanchthonstadt haben einen Ausstellungspreis initiiert, den der Lions Club Bretten-Stromberg mit einem Geldpreis von 1.500 Euro ergänzt. Auch eine kleine Katalogveröffentlichung ist vorgesehen. Der Kunstpreis knüpft an die kulturelle Tradition Brettens an, er trägt den bürgerlichen Namen des Reformators und Universalgelehrten Melanchthon: Schwartzerdt-Preis. Die Stiftung eines Kunstpreises, der an die große historische Persönlichkeit erinnert, bezeichnete der Rektor und Kunstprofessor Marcel van Eeden als große Ehre. Die Jahresausstellung der Kunsthochschule bot Anlass, den Preisträger oder eine Preisträgerin auszuwählen. Die Überblicksschau mit Werken höhersemestriger Studierender wurde von einer Professoren-Jury mit Leni Hoffmann, Kalin Lindena, Magnus Plessen, Axel Heil und John Bock kuratiert. Sie wählten auch den Preisträger aus. Toninho Dingl, der bei dem Maler Franz Ackermann studiert, ist der somit der erste Schwartzerdt-Preisträger, der in den Räumlichkeiten des Brettener Kunstverein im kommenden Jahr gastieren wird. Der junge Künstler, der aus Altötting stammt, ist im neunten Fachsemester Freie Kunst. Dass er bei der Preisverleihung nicht zugegen war, ist zu entschuldigen, da sein kleiner Sohn krank war. Seine Freude war indes war riesengroß, als er von der Auszeichnung über die sozialen Medien der Akademie schnell erfuhr. Die bei der Ehrung aus Bretten angereisten Vertreter des Kunstvereins und des Lion Clubs Bretten-Stromberg, Benedikt Forster – der vor vielen Jahren selbst an der Karlsruher Akademie seine künstlerische Ausbildung erhielt –, Thomas Lindemann und Markus Junker zeigten sich zufrieden mit der Wahl des Preisträgers, der als Maler auch in die Dreidimensionalität geht. Im Lichthof der Akademie zeigte er selbstgebaute, strahlend gelbe, aber deformierte Briefkästen, die auch als Kritik am blitzschnellen zeitgemäßen Kommunikationsverhalten zu verstehen sind. Der vom Brettener Stifter-Trio mitgebrachte „Pokal“ für den künstlerischen Sieger bestand aus einer von Benedikt Forster eigens golden verzierten Flasche Schwartzerdt-Weins von höchster Qualität. Diesen wird Toninho Dingl entgegennehmen, wenn er die Ausstellungsräume in Bretten besichtigen wird.

Die Vertreter des Kunstvereins Bretten und des Lions Club Bretten-Stromberg vor dem Briefkästen-Kunstwerk des ersten Schwartzerdt-Preisträgers Toninho Ding: (v.l.n.r. Markus Junker, Benedikt Forster, Thomas Lindemann. (Foto: Sebastian Hesse)

Kindertheater

Die Hexe Wackelzahn

Das Kindertheater hat beim Lions Club Bretten-Stromberg bereits eine langjährige Tradition. Seit der Gründung des Clubs findet jedes Jahr im Regelfall im November eine Veranstaltung statt. Bei der Auswahl der Stücke wird darauf geachtet, dass die Kinder in das Thaeterstück mit einbezogen werden. Damit dies für die Darsteller überhaupt umsetzbar ist, wird die Zahl der Gäste pro Vorstellung begrenzt. Um möglichst vielen Kindern die Teilnahme zu ermöglichen finden pro Veranstaltung jeweils 2 Vorstellungen statt.

Jubiläumskonzert

Großes Festkonzert: Mozart und Beethoven in der Stiftskirche

Bericht vom 28.01.2017, Kraichgau News

Am Ende saßen sie alle drei am Flügel. Dirigent Frank Dupree und die beiden Pianistinnen Marina und Magdalena Müllerperth. Die Strauss’sche „Tritsch-Tratsch-Polka“ – hier für 30 Finger samt Triangel – wurde mit viel Spielwitz zwitschernd pointiert aus der Klaviatur katapultiert. Ein herrlicher Spaß für Interpreten wie Publikum. Auch die sonst so korrekt dreinblickenden Künstler des Südwestdeutschen Kammerorchesters grinsten bei dieser Zugabe spitzbübisch vor sich hin.

Zuvor hatte es großartige Klassik zum Stadtjubiläum gegeben und Oberbürgermeister Martin Wolff zeigte sich in seiner Begrüßung sichtlich beeindruckt von Idee und Umsetzung dieses Festkonzertes. Sein besonderer Dank ging an den Lions Club Bretten-Stromberg und den Rotary Club Bruchsal-Bretten, die das Konzert gemeinsam mit der Melanchthonstadt veranstaltet hatten. Bereits am Freitag waren Brettener Schulen mit ihren Musikklassen zur Generalprobe eingeladen und es war denn auch ein frischer, jugendlicher Elan, der da das Kirchenschiff der Stiftskirche mal stürmisch donnernd, mal lyrisch sanft umwehte.

Mit 26 Jahren ist Düpree einer der jüngsten und besten seiner Zunft, die Müllerperth-Schwestern haben nationale und internationale Preise abgeräumt. Ihr Spiel ist neugierig und unverbraucht, das traditionsreiche Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim sollte sich hier als geradezu idealer Begleitpartner erweisen.

Marina Müllerperth nahm die Triller im Kopfsatz von Mozarts Klavierkonzert Nr. 23 zunächst zaghaft tirilierend, später souveräner, um mit einer fein federnden Eleganz in einen dynamisch auskostenden Dialog mit dem Orchester zu treten. Im Allegro agierte sie nicht zu rasch, sodass die Läufe brav perlen konnten. In der Exposition kamen Verzögerungen in den Arpeggios wohl dosiert daher, chromatische Läufe liefen wie am Schnürchen.

Egal ob Dur oder Moll: Maestro Düpree selbst war ein Mann der klaren Linien. Im zweiten Satz ging die Klarinette beim Wechsel nach A-Dur glanzvoll über den zuvor noch seufzenden Streichern auf, die hier die Noblesse von Duprees Gestik mit der eigenen Spielkultur spiegelten und somit klanglich veredelten. Herrliche Ausgelassenheit im dritten Satz, die Modulationen im Couplet leuchtete Marina Müllerperth dynamisch raffiniert aus, sie musizierte hier mit durchweg glühender Akkuratesse.

Dann Beethovens fünftes Klavierkonzert. Magdalena Müllerperth sitzt jetzt am Flügel. Der Anschlag kraftvoller, die Akkordpracht nicht nur in der Introduktion folglich farbenreicher. Das öffnet Tür und Tor. Sie weiß, wohin sie will, lässt Triller und Fermaten noch nicht zu lange klingen. Das perlt nicht, das sprudelt. Folglich gerät ihr die Reprise noch gelöster, noch glänzender, ohne virtuos blenden zu müssen. Die brillante Unabhängigkeit ihrer Hände beschert der linken Hand beim Abwärtstanz eine dynamische Zurückhaltung, die der rechten Hand mehr Raum zu aufwirbelnder Entfaltung gibt. Sie verliert sich aber nicht im dramatisch brüllenden Tastendonner, sondern hat die agile Eleganz einer Junglöwin auf der Jagd nach einer zutiefst ehrlichen, der Musik dienenden Ästhetik. Das kommt besonders im zweiten Satz zu Tragen.

Die Solisten des Südwestdeutschen Kammerorchesters phrasieren da wie die Engel. Düpree schnitzt nicht am Klang herum, sondern lässt sich die Solisten selbst mit breiten Bögen herausschälen. Selbst das leiseste Piano wird da noch auf der Stuhlkante musiziert. Das ist keine Klangkultur, das ist ein Klangzauber.

Das unmittelbare Rondo Allegro wächst schließlich zum Triumph für alle Beteiligten. Müllerperths wohl dosierte Pedaleinsatz zu Beginn pumpte das Klangbett nicht zu trocken. Orchester wie Solistin zelebrierten gleichsam ausgelassen jenen auskomponierten Jubel, der nie zu einem furiosen Duell zwischen Klavier und Orchester geriet, sondern das Klavierkonzert zu einem sinfonischen Duett adelte. Die Applauskaskaden der restlos begeisterten Zuhörer schwappten unisono in ein forderndes Staccato über.

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